Nirgendwo sonst auf der Welt scheint der Internet Explorer eine so ausgeprägte Monopolstellung innezuhaben wie in China. Nun rührt Mozilla die Werbetrommel für den Firefox.
Mit rund 160 Millionen Internetnutzern ist China bislang der zweitgrößte Online-Markt der Welt. In Kürze wird die Republik vermutlich sogar die USA vom ersten Platz verdrängen. Was jedoch die verwendete Software betrifft, mit der all diese Menschen das Netz betreten, muss sich eine Firma ganz sicher keine Sorgen um ihre Bestplatzierung machen: Microsoft. Nach Angaben der Business Week nutzen rund vier Fünftel aller Nutzer den Internet Explorer als ihren Standard-Browser.
Nun macht sich die Mozilla Foundation auf den Weg, auch in China an Microsofts Monopol zu rütteln. Letzten Monat festigten die Entwickler des Firefox eine Kooperation mit der dort beliebten Suchseite Baidu.com, der es ihnen erlaubt, die Seite in die chinesische Version des Firefox einzubinden. Über den Wert dieser Vereinbarung wird bei Mozilla geschwiegen. Dies hänge davon ab, wie viel Datenverkehr durch Firefox an Baidu übertragen werde, so Li Gong, Präsident von Mozilla Online in China.
Momentan nutzen nach Schätzungen des Unternehmens etwa 3,5 Millionen Menschen in China den Browser Firefox. Dies entspricht etwa einem Marktanteil von 2 Prozent. Laut Li Gong strebt man bei Mozilla einen Anteil von 5 Prozent an, und zwar in kürzester Zeit. Dementsprechend forciert läuft auch die Image-Kampagne an. Im Juli bereits eröffnete Mozilla ein Büro im „Tshinghua Science Park“ in Beijing, in welchem Unternehmen wie Google oder Sun Microsystems ihre Vertretungen haben. Da jedoch der Phantasiename „Mozilla“ nicht ins Chinesische übersetzt werden kann, tritt die Firma dort unter dem Namen „Mou Zhi“ auf, was so viel bedeutet wie „Das Streben nach Weisheit“. Abgesehen von Baidu ist Mozilla in Gesprächen mit weiteren Firmen vor Ort. So sucht man derzeit Partner, die dabei helfen können, Firefox an die Bedürfnisse chinesischer Nutzer anzupassen. Überdies setzt das Unternehmen auf Direktmarketing: An vier Universitäten in Beijing klären bereits Freiwillige ihre Mitstudenten über den Browser auf.
Der stärkste Widersacher Mozillas ist dabei nicht einmal die Konkurrenz: Im Gegensatz zur Lage in den USA kann das Unternehmen sich in China kaum auf seine Open-Source-Basis stützen. Aufgrund der vorherrschenden Produktpiraterie sind dort Kopien von Microsofts Windows XP oder Vista bereits für unter 2 Dollar zu haben. Inklusive Internet Explorer.
Mozilla steht also vor einer Art Mammut-Projekt. Es wird wohl einige Zeit dauern, bis man in China nicht mehr das Internet mit dem Internet Explorer verwechselt. Doch die Erfolge in den USA lassen hoffen: Dort hält Mozilla nach Angaben von Onestat vom Juni 2007 bereits einen Marktanteil von 19,65 Prozent. Tendenz steigend.