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29.01.10
Firefox vs. YouTube: Streit ums Videoformat
Eigentlich wurde dem Firefox 3.6 mit der Unterstützung von HTML5 eine schlagkräftige neue Funktion mitgegeben. Der Browser kann ab sofort Videos auch ohne Flash-Plugin abspielen, und zwar im Vollbild-Modus und mit allen von Flash und anderen Formaten gewohnten Extras. Doch dem Firefox werden, wie dem neuen Webstandard auch, Steine in den Weg gelegt – und zwar leider von niemand geringerem als einem der größten Anbieter für Webvideos überhaupt: YouTube.

Es könnte alles so einfach sein. Man arbeitet ein brandneues Video-Abspielsystem in einen der am weitesten verbreiteten Webbrowser ein, nutzt einen aktuellen Webstandard, und die ganze Internet-Medienwelt zieht nach. So zum Beispiel mit dem Firefox 3.6, HTML5 und Videos im Format ogg/theora. Ein freier, von einer weltweiten Gemeinschaft entwickelter Browser, ein quelloffenes Videoformat und der neueste Standard bei der Übersetzung von Webseiten könnten harmonieren und der Welt zu einem einfacheren, sicheren Videoformat verhelfen.

Doch leider funktioniert auch die Internet-Welt nach ihren eigenen Regeln. Als das Videoportal YouTube Anfang dieser Woche den Start einer HTML5-Testreihe bekanntgab, verkündete man im gleichen Zug, die Videos mit dem neuen Standard würden im Firefox leider nicht laufen. Der Grund dafür liegt nun aber nicht gerade beim Firefox bzw. dessen Entwicklern. YouTube setzt zur Kodierung der Videos einen Codec ein, der patentgeschützt ist. Dieses System widerspricht nicht nur dem Gedanken eines freien Internets – vor allem widerspricht es dem Grundgedanken hinter der Entwicklung des freien Browsers Firefox. Während YouTube auf den lizenzpflichtigen Codec H.264 setzt, verwendet man im Firefox die quelloffene Variante ogg/theora.

Kein Wunder also, dass die Ankündigung bei den Firefox-Entwicklern, namentlich der Mozilla-Stiftung, zu Aufruhr führte. Unglücklicherweise hat neben dem von Google kontrollierten YouTube inzwischen auch die Videoplattform Vimeo auf H.264 umgestellt. Dailymotion hingegen experimentiert bereits seit 2008 mit dem offenen Codec ogg/theora.

Das Videoerlebnis im Internet steht also offensichtlich an einem Scheidepunkt. Entweder wird die neue Technik der gesamten Internetwelt kostenlos und frei zur Verfügung stehen, oder sie wird von einigen wenigen Oligopolisten beherrscht – ähnlich wie Adobe bislang mit Flash sein Video-Monopol betreibt. Mit einem lizenzpflichtigen Codec könnte Adobe seine Vormachtstellung an andere bekannte Gesichter abtreten müssen: Denn mit Microsoft, Apple und Google haben drei der wichtigsten Browser-Hersteller bereits Lizenzen für H.264 erstanden. Außen vor bliebe bei dieser Lösung einzig und allein der bislang größte Konkurrent des einstigen Browser-Monopolisten Microsoft. Ob die Mozilla-Stiftung sich für ihren Browser Firefox eine teure Lizenz würde leisten können (und wollen), ist fraglich.

Wie sich der Kampf um die Videotechnologie weiter entwickeln wird, ist derzeit nicht absehbar. Seitens YouTube hieß es zuletzt, der quelloffene Codec ogg/theora sei einfach noch nicht weit genug entwickelt, als dass ihn das Unternehmen nutzen könne. Sonst stünde man einer freien Lösung nicht im Wege. Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Aussage auf der HTML5-Seite von YouTube. Dort heißt es, der Vollbildmodus sei nicht möglich, weil er von keinem Browser unterstützt werden. Das stimmt so nicht ganz, denn ein einzelner Browser unterstützt ihn längst: Firefox 3.6 auf Basis von ogg/theora.
Downloads zum Artikel
Download Firefox 3.6 (deutsch, Windows)
 
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