In einem Interview mit dem Magazin „Spiegel Online “ hat Mitchell Baker, Vorsitzende des Software-Herstellers Mozilla, sich über Zukunftspläne und die Freiheit der „Mozilla-Gemeinschaft“ geäußert. Dabei zeigte sich Baker überzeugt von der Führungsrolle Mozillas in Sachen Sicherheit, Datenschutz und Benutzerfreundlichkeit von Webbrowsern. Das neueste Projekt der Stiftung ist der
Firefox Mobile, eine Version des Firefox für tragbare Medien wie Handys, PDAs oder Smartphones. Seit etwa vier Monaten arbeite ein Team in Kopenhagen an der Entwicklung der Software, von der die erste Version noch in diesem Jahr veröffentlicht werden soll, so Baker. Bislang war das Frühjahr 2009 für eine Fertigstellung im Gespräch gewesen. Der mobile Firefox soll demnach auf den Systemen Windows-Mobile und Symbian laufen. Schon heute laufen einige Browser, die auf Mozilla-Software basieren, auf Geräten von Nokia (N800, N810) und HTC (Smartphone S730).
Als Vorteil gegenüber anderen Browser-Entwicklern streicht Baker nach wie vor die Open-Source-Grundlage des Mozilla-Projekts heraus. Der Charakter einer Stiftung wie Mozilla führe zum Wegfall langwieriger Vertragsverhandlungen mit Geräteherstellern und erleichtere so die Integration von Entwicklungen, so Baker. Auf die Frage nach Zielvorgaben für Marktanteile sagte die Mozilla-Chefin, man strebe einen Anteil zweistelligen Prozentbereich an.
Wie bereits Anfang des Jahres in einer Erklärung Bakers anlässlich der Ernennung John Lillys zum neuen CEO von Mozilla zu lesen war, wird bei Mozilla in Zukunft vor allem das Thema Datenschutz im Vordergrund stehen. Internet-Nutzer sollen die Kontrolle über ihre Daten zurückgewinnen. Dazu bietet sich laut Baker der Browser als Speicherort oder als Verwalter der Daten an. Das Mozilla-Projekt „Weave“, das einhergehend mit dem neuen Firefox 3 entwickelt wird, geht bereits in diese Richtung. Langfristig sollen damit Nutzerdaten wie Lesezeichen oder Passwörter, aber auch Browser-Einstellungen online in verschlüsselter Form gespeichert werden. Diese wären dann überall auf der Welt abrufbar.
Doch all diese Projekte kosten auch Geld. Im November läuft ein Vertrag über Werbeeinnahmen mit Google aus, aus dem sich die Finanzen der Mozilla-Stiftung bisher hauptsächlich speisten. Auf die Frage nach finanzieller Unabhängigkeit verweist Baker auf die weltweite Gemeinschaft von Freiwilligen, die das Mozilla-Projekt mit ihrer freiwilligen Arbeit stützen. Deren Kraft könne man mit Geld nicht bezahlen. Einen Gang an die Börse schließt die Vorsitzende deshalb aus: „Dies war für Mozilla nie eine Option“.
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